9.7 Der Krug mit dem Sprung

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Wasserkrug mit Sprung

Ein Mann besaß zwei große Tonkrüge und stellte sich damit als Wasserträger in den Dienst eines Herren.
Täglich legte er sich eine Stange über die Schultern, hängte rechts und links die Krüge daran und machte sich auf den Weg hangabwärts zum Fluss, wo er die Krüge mit klarem Wasser befüllte.

Nun hatte aber der rechte Krug einen Sprung, und auf dem Weg nach Hause tropfte Wasser heraus, sodass der Mann täglich nur eineinhalb Wasserfüllungen abliefern konnte.
Natürlich war der linke Krug stolz auf seinen guten Dienst, während der Krug mit dem Sprung sich heimlich im Herzen schämte.

Eines Tages hörte der Wasserträger seinen beschädigten Krug seufzen, als er ihn gerade in den Fluss tauchte und das frische Nass hineinströmen ließ.
„Guter Krug, was ist mit dir? Ist dir das Wasser zu kalt?“ fragte der Mann und der Krug antwortete: „Oh nein, es kann mir gar nicht kalt genug sein, ich liebe das Wasser. Aber es grämt mich, dass ich so unnütz bin und viel weniger Wasser nach Hause bringe als der andere Krug. Du solltest mich zerschlagen und dir einen neuen Krug kaufen.“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage.“, antwortete der Mann und bat den Krug, auf dem Nachhauseweg auf die schönen wilden Blumen am Wegesrand zu achten.

Und tatsächlich fühlte der Krug ein wenig Freude im Herzen, als er gewahrte, wie die vielfarbigen Blüten im Sonnenlicht leuchteten und die Welt mit vielfältigen Düften beglückten.

„Siehst du, dass sie nur auf deiner Seite des Weges wachsen?“, fragte der Mann. „Ich habe dort Samen ausgesät, und du hast sie täglich gewässert, dass sie so schön wachsen und gedeihen konnten. Ohne dich wären sie vertrocknet und niemand könnte sich an ihnen erfreuen.“

So liegt in jeder Schwäche auch eine Stärke, je nachdem, mit welchen Augen wir sie betrachten. Eine Unzulänglichkeit kann auch zur Quelle für etwas ganz Wunderbares und Schönes werden.

Lernerlis und Könnerlis


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