10.1 Mäuschen spielen bei LOA

Ziel hier:
1. Bewusstmachung, worin die Herausforderung besteht, Deutschlernenden einen aktiven Umgang mit differenzierter Sprache zu vermitteln.
2. Aufzeigen, in welchem didaktischen Kontext wir auch unsere Deutschtrainings für Einsteiger durchführen.
3. Einen Einblick in unsere Arbeitsweise als Gesprächsgrundlage für den Austausch zu bieten.

Video 1

Mäuschen spielen bei LOA

In diesem Kapitel (10) stellen wir kleine Audio-Clips der Dokumentation zur gemeinsamen Reflexion ein. Diese entstehen 2x wöchentlich im Anschluss an ein LOA-Deutschtraining für Kinder, die neu in Deutschland sind.
 
 
Für einen Erfahrungsaustausch veranstalten wir ab und zu Online-Treffen. Interesse? Schreib uns über das Kontaktformular, dann schicken wir dir Datum und Einladungslink. Vielleicht auf bald !? Lieben Gruß schon mal vorab!
Anne und das LOA-Team

 
 
Hier vorab einige Erklärungen zum Sinn und Zweck unseres Lernansatzes:
 
 
Im folgenden Filmausschnitt erklärt ein Mädchen begeistert, was es (sie) gerade tut: Sie stellt eine Kordel her. Es fehlen ihr allerdings entscheidende Worte, um sich adäquat auszudrücken. Im Modus der „assistierenden Arbeitsteilung“ steuere ich fehlenden Wort bei. Bezeichnend: Das Mädchen ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, hat Kindergarten und 4 Jahre die Grundschule besucht. Wieso gelingt es so schwer, ein aktives Beherrschen der differenzierten Sprache zu vermitteln?


 
 
Mein Vorgehen für dieses Lernmodul (verteilt über mehrere Deutschstunden):

 
1. Schritt:
Ich fomuliere selbst Sätze zu den einzelnen Tätigkeitsschritten (und stelle dabei fest, dass es auch mir gar nicht leichtfällt, Dinge, die ich ausführen kann, sprachlich präzise zu benennen).

 
2. Schritt:
Ich kennzeichne die Sätze mit den Grammatik-Struktur-Farben und fertige kleine Erinnerungsskizzen an.

 
3. Schritt:
Ich lerne die Sätze auswendig und schneide für jeden Schüler+ drei Wollfäden zurecht. Dann führe ich ihnen vor (Lernstufe 1), wie ich eine Kordel herstelle und spreche dabei die vorbereiteten und gelernten Sätze.

 
4. Schritt:
Die Schüler fertigen sich je eine Kordel. Dabei müssen sie sich zu zweit assistieren. Auch habe ich weitere Wolle dabei, weil natürlich der Wunsch entsteht, weitere Korden zu fertigen und dabei auch herumzuexperimentieren (sehr lange, sehr dicke, doppelt verdreht, unterschiedliche Farbkombinationen).
 
5. Schritt:
Die Schüler+ bekommen eine „Schauspieler-Rolle“, das Blatt mit den Erinnerungsskizzen und den zugehörigen Sätezn. Nach LOA-Art (in 5 Stufen und mit dem Peer-Lern-Effekt) trainiert die Lerngruppe, bis schließlich jeder+ die Sätze sicher sprechen, die Gesten ausführen und während des Sprechens an die zuvor getätigten Handlungen denken kann. Wer mag, führt sein Können vor einer Kamera aus, sodass wir uns anschließend gemeinsam den Erfolg anschauen und ihn feiern können. (Das führt zudem zu einer großen Motivation, alles „in einem Rutsch“ ohen Irrtum sprechen zu können.)

 
6. Schritt:
Synchron-Schreiben des aktiv Eingeübten (ohne Nebengeräusche nach dem Motto „Der stumme Fisch schreibt!“): Ich schreibe an der Tafel, die Klasse (als „Schreibomat“) schreibt synchron mit.


 
7. Schritt:
Bestätigen, dass alle perfekt geschrieben haben, damit die eigene Mitschrift auch als Lernvorlage dienen kann.

 
8. Schritt:
Die Schüler trainieren satzweise, aus der Erinnerung die Sätze fehlerfrei aufzuschreiben.

 
9. Schritt:
Klassenarbeit mit Bewertung. (Bis auf eine Schülerin, die gefehlt hatte, schreiben ALLE Schüler+ der Klasse fehlerfrei oder haben maximal einen Fehler im Text.) Anmerkung: Vielen Schülern+ war zuvor nicht bewusst, dass man im Deutschen die Schreibweise „mit den Augen fotografieren“ muss und sich eben nicht darauf verlassen kann, so zu schreiben, wie man spricht oder nach „Regeln“. (Selbstverständlich wird dann nicht negativ angemerkt, wenn Schüler+ eigene, freie Formulierungen aufschreiben. Aber Schüler+, die sprachlich unsicher sind, haben so eine Chance, nicht nur die Aufgabe zu bewältigen, sondern darüber hinaus grundlegende Einsichten in eine aktive Aneignung differenzierter Sprache zu gewinnen. Wer so weiterlernt, wird irgendwan souverän auch komplexe Inhalte sprachlich wiedergeben und natürlich auch aus Texten kompexe Zusammenhänge entnehmen können.)


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