Grammatik um Mitternacht

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Als wir Kinder waren, glaubten wir fest an die spielerisch-fantasievollen Geschichten um Osterhasen, Feen, Zwerge, guten und bösen Geistern. Und wir glaubten fest daran, dass um Mitternacht, von 12 bis 1 Uhr alle Gegenstände lebendig werden. Wie oft habe ich als Kind versucht, so lange wach zu bleiben, um mein Kuscheltier einmal tanzen zu sehen – bis mir meine Mutter erklärte, dass die Dinge es merken, wenn wir sie beobachten und dann eben nicht lebendig werden.
 
Was hat das mit Grammatik zu tun?
 
Als Deutschlehrerin ist mir aufgefallen, dass EIN Grund, warum sich Deutsch so schwer lernen lässt, der ist, dass es um Mitternacht keine Schulen und Sprachkurse gibt.
In der Geisterstunde wäre es viel leichter, das will ich hier an einem ganz einfachen Beispiel erklären:
 
Wenn ich einen Stift auf den Tisch lege, kann ich so sprechen:
WAS lege ich auf den Tisch? DEN Stift. WAS liegt auf dem Tisch? DER Stift.
 
Wenn ich mir vorstelle, dass der Stift (wie in der Geisterstunde) lebendig ist und also eine Person, keine Sache, dann kann ich so sprechen:
WEN lege ich auf den Tisch? DEN Stift. WER liegt auf dem Tisch? DER Stift.
 
Alles klar? Darum spielen wir beim Deutschlernen oft, dass alles lebendig ist und dass sogar Stifte miteinander tanzen, sich verlieben, streiten und wieder versöhnen können. Das macht zudem viel Freude und setzt positive Energie frei – in unseren Köpfen und Herzen gleichermaßen.