Assistierende Arbeitsteilung

Auch beim Lernen ohne Aufgaben gibt es natürlich mühevolle Situationen. Wenn Neues und Ungewohntes sich zunächst schwierig anfühlt, dann kann eine Assistenz bei der Aneignung das Einüben wunderbar erleichtern.

Ein Beispiel: Wenn ein Kind lernen möchte, Fahrrad zu fahren, dann muss es lernen, mehrere Dinge gleichzeitig zu bewältigen: Nach vorn schauen, lenken, die Pedale treten, das Gleichgewicht halten – Fahrrad fahren ist eine recht komplexe Tätigkeit.

Eine häufig praktizierte Technik der Assistenz: Ein Helfer läuft neben dem Kind her, greift unter den Sattel und sorgt für das Gleichgewicht, während das Kind sich zunächst auf das Lenken, Treten und nach vorn Schauen konzentrieren kann.

So bilden die beiden für eine Weile einen „Lernomat“ (Lernteam), wobei der Helfer einen Teil der komplexen Handlungsanforderungen übernimmt, bis die Koordination dem Lernenden auch selbst gelingt.

Der Arm des Helfers geht dabei mit dem Kind in eine Resonanz und spürt, wie viel oder wie wenig Unterstützung gerade nötig ist. Nach dem Prinzip der abnehmenden Hilfe begleitet der Helfer so das Kind tatkräftig in die Unabhängigkeit.

Seine Haltung ist die eines Assistenten auf dem Lernweg, der Anstrengungen des Lernenden begleitet und im Zusammenspiel durch aktives Mitwirken, das sich allmählich zurücknimmt, Leichtigkeit, Lernfreude und Lernerfolg entstehen lässt.

Augenzwinkernd nennen wir dies Assistierende Arbeitsteilung. Denn auch ohne Aufgaben kann sich Lernen wie eine Arbeit anfühlen, die leichter von der Hand geht, wenn man sie teilt und sich dabei freundschaftlich verbunden fühlt.

Drei Dinge braucht es, um das Prinzip der Assistierende Arbeitsteilung für Lernsituationen anzuwenden:

1. Bewusstsein darüber, aus welchen Teilaspekten eine zu erlernende Tätigkeit sich zusammensetzt, um zu entscheiden, welche Art von Assistenz möglich und sinnvoll ist. (Beispiel Lesen: Die Augen verfolgen die Zeilen im Buch. Das Ohr erinnert sich an den Klang der Wörter. Der Mund spricht die Wörter aus. Die Logik sucht nach dem Sinn der Wörter und Sätze. Die Erinnerung der Sinne macht daraus innere Bilder, einen inneren Film zum Text, an den ich mich anschließend auch ohne den Text erinnern kann.)

2. Die innere Haltung und Bereitschaft, die Rolle eines assistierenden Möglichmachers einzunehmen, der sich allmählich zurücknimmt vom „Vortänzer“ zum „Souffleur“.

3. Eine innere Verbindung zum Lernenden und die Bereitschaft beider, für eine Weile ein Lernteam zu sein, das mit spielerischer Ernsthaftigkeit Lernstufen durchschreitet, bis der Lernende selbst die Führung übernimmt und unabhängig wird.


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